Samstag, 6. Januar 2018

Gelesen: „Netzwerk“ von Robert Charles Wilson...




Obwohl der Titel entsprechende Assoziationen weckt, spielt das Internet in „Netzwerk“ so gut wie keine Rolle. Es geht auch nicht um die aus dem Ruder laufende Entwicklung eine sozialen Netzwerks wie in „The Circle“. Robert Charles Wilsons Roman wird man am besten mit dem Label Social Fiction gerecht. Insgesamt ist Technologie eher nebensächlich. Es geht aber um die Frage, wie ihre Anwendung die sozialen Strukturen, die unsere Gesellschaft bilden,  verschieben oder völlig umformen kann. Wer auf einen High Tech Computer Thriller hofft, der hat vermutlich zum falschen Buch gegriffen. Ich empfehle dennoch, „Netzwerk“ eine Chance zu geben, denn Wilsons Roman hat andere Qualitäten.
Aber worum geht es?
Der Konzern Interalia hilft seinen Kunden dabei, die für sie passende soziale Gruppe zu finden. Dabei geht es nicht um eine Partnersuche, sondern darum, Menschen zusammen zu bringen, die sich gegenseitig ergänzen und effektiv kooperieren können. Das System basiert auf der von Meir Klein entwickelten Teleodynamik, die präzise Vorhersagen über die soziale Dynamik von Gruppen machen kann. Man unterzieht Interessenten verschiedenen psychologischen Tests und Hirnscans und ordnet sie dann einer von zweinundzwanig verschiedenen Affinitäten zu. Personen die nicht das selbe Genom, aber das selbe Sozionom teilen. Kurz: Menschen, die auf der selben Wellenlänge schwingen. Einmal in der passenden Affinität angekommen, findet jeder eine für ihn passende Aufgabe, die ihn erfüllt und glücklich macht.
Meirs System funktioniert tatsächlich. Vor allem die Affinitäten Tau und Het sind jede für sich wirtschaftlich äußert erfolgreich. Sie wollen sich aus der Kontrolle durch Interalia befreien und selbst bestimmt weiter entwickeln. Es kommt zu einem Machtkampf mit dem Konzern und unter den verschiedenen Affinitäten. Gleichzeitig wächst der Unmut in den Teilen der Bevölkerung, die keiner Affinität zugeordnet werden können und damit von den positiven Entwicklungen ausgeschlossen werden.
„Netzwerk“ ist kein actionlastiger Thriller, sondern eine Familiengeschichte. Denn für Adam Fisk wird die Affinität Tau zu der Familie und dem Zuhause, das ihm sein bisheriges Leben nicht bieten konnte. Ganz bestimmt kein klassischer Science Fiction Plot, aber trotzdem oder gerade deswegen so spannend, dass ich „Netzwerk“ fast in einem Rutsch gelesen habe.
Volle Leseempfehlung!!

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen