Freitag, 5. Januar 2018

Eine Rede auf der Beerdigung eines Freundes halten...

Vor wenigen Monaten bat mich Bernhard Giersche, eine Rede für seine Beerdigung zu schreiben und zu halten, sobald es an der Zeit ist. 
„Sobald“, nicht „falls“. 
Damit brachte er auf den Punkt, was ich nicht wahr haben und erst recht nicht aussprechen,wollte: Er würde mit großer Wahrscheinlichkeit nicht überleben.
Ich habe seine Bitte als große Ehre und als Vertrauensbeweis empfunden. Ihm das abzuschlagen, wäre nicht in Frage gekommen. Dass ich gehörigen Respekt, um nicht zu sagen Angst vor der Vorstellung hatte, zum Zeitpunkt X vor einer Trauergemeinde einen vermutlich hoch emotionalen Text vorzulesen, habe ich ihm nicht erzählt. Ich hatte keinen Zweifel daran, dass mir das schwer fallen würde. Irgendeinen fiktiven Dialog wiederzugeben, und sei er noch so tragisch, ist etwas völlig anderes, als über jemanden zu sprechen, den man sehr geschätzt hat und der jetzt in einer Holzkiste keine drei Meter entfernt liegt.
Bei meinen sehr persönlichen Abschlussreden für meine eigenen Klassen, die also, die ich als Klassenlehrer begleitet habe, bin ich auch jedes Mal in leichte Herzensturbulenzen geraten. Und da reden wir von einer Situation, die für beide Seiten eigentlich eher erfreulicher Natur ist.
Mir war klar, dass das heute nicht so funktionieren würde. Ich habe mich nur gefragt, wann die Stimme endgültig versagen würde und ich den Text an irgend jemand anderen übergeben müsste.
Über die Rede selbst will ich hier nicht schreiben, sie war ausschließlich für die Beerdigung gedacht und gehört nicht hierher. Aber Bernhards Auftrag an mich als Redenschreiber möchte ich  zitieren:
„Hau so richtig auf die Sahne. Die sollen lachen, aber die sollen sich auch die Augen ausm Kopp heulen.“
Bernhards genau formulierte Anforderung an die emotionale Wirkung seiner Wunschrede machte es für mich natürlich nicht leichter. Er hat die Rohversion übrigens noch vor etwa drei Wochen gelesen. Das war auch mir sehr wichtig. Ich wollte nichts falsches sagen, es sollte genau Bernhards Vorstellungen entsprechen.
Heute war es also soweit. Nachdem mir der Arsch spätestens gestern Abend auf Grundeis ging, habe ich mich von der Facebookgemeinde päppeln lassen, ohne genau zu schreiben, worum es geht.
Danke für all die gedrückten Daumen und die bestärkenden Kommentare.
Es ist vorbei. Ich habe es irgendwie geschafft, fast sechs Seiten zu lesen. Erst im letzten Satz ist mir die Stimme weggekippt. Aber ich hatte schon vorher zu Kirsten gesagt: „Dann muss ich halt heulen, ist eben so.“
Diese Beerdigung war die schönste Zeremonie ihrer Art, die ich je erlebt habe. Bernhard hatte alles mit dem Pastor und dem Bestatter und natürlich seiner Familie minutiös geplant. Uns blieb das Standardprozedere erspart, bei dem Menschen, die wir nicht kennen, Allgemeinplätze über Menschen, die sie nicht kennen, zitieren. Es ging um Bernhard und darum, wie er mit seiner Krankheit umgegangen ist. Harald Giersche las einen sehr bewegenden Brief seines Bruders und zum Schluss kam meine Rede.
Ja, ich hatte Schiss. Ja, ich hab geheult. Was soll`s? Wenn es mich nicht gekümmert hätte, das wäre wirklich traurig.
Für das Finale hatte der clevere Bernhard sich aber noch etwas besonders ausgedacht.
Als der Sarg – den wir alle mit persönlichen Widmungen versehen hatten - im Grab versenkt wurde, ertönte in Endlosschleife das Beamgeräusch aus Star Trek. Markus Lawo schaltete schnell und rief lauf „Beam me Up, Scotty!“ Das mag den einen oder anderen kurz erschreckt haben. Aber es war genau das, was Bernhard an dieser Stelle gefallen hätte.
So, ihr Lieben. Ich rauche jetzt draußen eine Zigarre und sage: 
„Lasst es euch gut gehen, achtet gut auf euch und zieht keine roten Shirts an! Freunde wie Bernhard sind zu knapp. Und dir, alter Freund, winke ich zu!“

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