Montag, 6. November 2017

Bernhard Giersches Lesung am Sonntag: Über die Veranstaltung, auf die wir alle gern verzichtet hätten...

Am gestrigen Sonntagabend ist Bernhard Giersche lang angekündigte Lesung aus „Kampf dem Karl“ über die virtuelle Bühne gegangen. Darüber sind wir verflucht froh, denn diese Veranstaltung war anders als alle anderen davor.
Niemand von uns wollte sie.
Aber leider hat niemand Bernhard die Wahl gelassen.
Wenn sie also schon unabwendbar war, dann sollte es eben eine unglaublich erfolgreiche Veranstaltung werden.
Wir, also Gisela, Tabea, Kirsten und ich waren wohl alle erleichtert, als sich Bernhard nach einem erfolgreichen, aber für ihn verflucht anstrengenden Auftritt endlich auf dem Sofa ausstrecken konnte. Ich behaupte, er hat das großartig gemacht und er war der hervorragende Vorleser, als den wir ihn schon so viele Male erlebt haben. Haste super durchgezogen und noch dazu mit Pokerface. Ich glaube Bernhard nennt das Soldatenmodus. Wenn es gemacht werden muss, dann wird es auch gemacht. 
Wir sind dankbar dafür, dass uns Bernhards Krankheit gestern keinen Strich durch die Rechnung gemacht, dass es ihm gut genug ging, um sich einem Interview zu stellen und selbst vorzulesen. Wir sind ebenso froh darüber, dass uns die Technik keine Probleme bereitet hat. Wir alle wissen, wie eigenwillig SLVoice sein kann.
Bedanken müssen wir uns aber vor allem bei denen, die diese Lesung möglich gemacht haben. Allen voran Miara Lubitsch, die für den Abend ein ziemlich eigenwilliges Bühnenbild nach Bernhards Vorgaben gebaut habt. Wenn ihr da wart, wisst ihr ja, was ich meine.
Vielen Dank für deine Ideen und all die Stunden, die du in diese Bühne investiert hast. In den Videos könnt ihr übrigens mehr darüber erfahren, warum Bernhard es unbedingt so haben wollte.
Wir bedanken uns auch bei Seraph Nirvana von der Villa, der dafür gesorgt hat, man außerhalb der virtuellen Welt über einen Stream bei Youtube die Lesung verfolgen konnte.
Unser Dank gilt aber auch all den Zuschauern in Second Life und bei Youtube, die Bernhard gestern gezeigt haben, wie sehr sie ihn schätzen. 30 Gäste waren als Avatare anwesend, mehr als hundert haben die Lesung bei Youtube verfolgt, bis heute Abend haben mehr als 800 Personen das Video angesehen.
Wir waren gestern Abend mehr als glücklich darüber, dass alles geklappt und Bernhard so viel Feedback von euch zurückbekommen hat. Er war sichtlich geplättet, als ich ihm nach der Lesung erzählt habe, wie viele Leute online dabei waren.
Bernhard, Gisela, Kirsten und ich haben uns aber auch noch über etwas anderes gefreut. Aus irgendeinem Grund ist es vor Jahren zur Tradition geworden, dass Bernhard immer bei uns zuhause aus einem neuen Buch liest. Danach gibt`s eine Suppe und wir machen uns einen netten Abend. 
Doch die mehr als einstündige Fahrt wäre diesmal zu viel für ihn gewesen. Also haben wir den Spieß umgedreht, uns selbst eingeladen und sind statt dessen zu Bernhard gefahren.
Deswegen war die Lesung gestern für uns auch ein bisschen wie damals in der guten alten Zeit.
Natürlich konnte keiner von uns verdrängen, warum Bernhards neues Buch überhaupt existiert. Aber er selbst ist auch nicht der Typ, der etwas verdrängen möchte.
Er schreibt über seinen Zustand, er nennt beim Namen, was mit ihm passiert, was er fühlt und er will eben auch darauf angesprochen werden. Wie er selbst sinngemäß schreibt. „Ich finde es gut, wenn einer sagt: Bernhard, du siehst aber scheiße aus.“
Das habe ich zwar nicht so empfunden, dafür habe ich, glaube ich, verstanden, worum es wirklich geht. Offener Umgang mit einem Thema, an das wir uns normalerweise nicht herantrauen. Weil es uns Unbehagen bereitet, mit den Betroffenen konfrontiert zu werden, weil es uns Angst macht, uns einzugestehen, dass es uns genau so ergehen könnte. Bernhard hat begriffen, dass es wichtig ist, ein Thema statt zu einem Tabu auch tatsächlich zu einem Thema zu machen.
Ich verneige mich vor dir, deinem Mut zur Offenheit und der enormen Energie, die du aufbringst als dein eigener „eingebetteter Journalist“.
Du hast gestern außerdem bewiesen, dass eine virtuelle Lesung mehr ist als ein zweckentfremdetes Videospiel. Hinter den Pixelgestalten stecken immer Menschen. Vielleicht kann uns eine virtuelle Bühne wie die von Bernhard gestern helfen, die reale Welt, ihre Bewohner und das, was in ihnen vor sich geht, besser zu verstehen.
Danke Bernhard, dass wir den gestrigen Abend mit dir zusammen erleben durften. Ich hoffe, ich habe so viel Arsch in der Hose wie du, wenn es mal drauf ankommt.
Unten findet ihr einmal das Video, das Seraph gestern in Second Life aufgezeichnet und darunter eine Realaufnahme, die ich nebenbei gemacht habe.






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