Nerd und Geek. Ich kann beide Begriffe nicht wirklich unterscheiden, will das auch gar nicht, sie gefallen mir beide. Der Nerd ist tendenziell mehr Naturwissenschafts- und Technikexperte, während das Fachwissen des Geeks sich auf Medien oder Rollenspiele fokussiert. Aber die Übergänge sind fließend. Es gibt Überlappungen und keine verbindlichen Regelungen, was den einen vom anderen unterscheidet. Nerd, oder Geek. Ursprünglich abgewandelte Schimpfwörter, jetzt Sammelbegriffe für eine unscharf definierte aber selbst gewählte Lebensphilosophie.
Ich komme darauf, weil ich gestern über ein Zitat von Simon Pegg gestolpert bin. Er bezeichnet Geeks und Nerds als Menschen, die sich nicht für ihre Interessen schämen, sie im Gegenteil demonstrativ ausleben. Weiter sagt er, Geek zu sein, sei sehr befreiend.
Pegg steht exemplarisch für eine neue Geek-Unterart. Den Geek-Schauspieler, der nicht nur in seinen Rollen, sondern auch in Real Life einen Geek verkörpert. Andere Beispiele dafür wären Whil Wheaton oder Patton Oswald. Ja, nerdig oder geekig sein ist mittlerweile schick geworden. Das liegt sicherlich vor allem an den Fallbeispielen, in denen Computer-Expertenwissen drei oder vier Glückspilzen mit dem passenden Quellcode zur rechten Zeit zu viel Geld verholfen hat.
Oder wie es mal jemand formuliert hat: „Vergiss nie, der Geek ist später der Typ, der deinen Gehaltscheck ausstellt.“
Das ist leider nicht immer so, aber es gibt eben oben genannte Extrembeispiele, die sich im kollektiven Unterbewusstsein festgefressen haben – und mittlerweile auch recht gut vom selben Kollektiv leben.
Das Geek Syndrom zeichnet sich durch nachfolgende Symptome aus, die nicht alle auftreten müssen, aber im Regelfall ist bei Nerdismus immer mehr als eins davon identifizierbar:
Sehr typisch ist die Vorliebe für Computer und ihre Nutzung als soziales Medium. Sie ist den meisten Nerds und Geeks gemein, tritt aber in unterschiedlichen Ausprägungen auf. Häufig sind sie Gamer, verfügen über überdurchschnittliches Wissen über Computertechnik, einige können selbst programmieren oder sind zumindest sehr fit im Umgang mit verschiedenen Softwaretypen und Social Media Plattformen. Sie bloggen, twittern, facebooken und erkunden selbstständig jedes neu auftauchende soziale Medium.
Typisch ist auch eine Vorliebe für Filme und Bücher aus dem Bereich der Science Fiction und Phantastik und natürlich für Comics aus demselben Genre. Geeks verfügen in diesen Bereichen über erhebliches Wissen, sind beispielsweise in der Lage anhand einzelner Bildausschnitte aus Standbildern sofort einen Filmtitel zu identifizieren. Genauso reichen kleine Textfragmente, um ein Buch zu erkennen, das zu den Standardwerken der Geekkultur gehört. (Und das sind verdammt viele!)
Beliebt sind auch nicht computerbasierte Rollenspiele wie Dungeons&Dragons oder Tabeltop Spiele wie Warhammer 40000. Apropos Tabletop: Der moderne Geek steht offen zu seiner Vorliebe für Spielzeug, das nicht unbedingt für Personen in seinem Alter konzipiert wurde. Selbst zu bastelnde Tabletop-Modelle, Lego-Bauwerke und -Fahrzeuge– seien es solche zu Filmserien oder eigene Kreationen – und Spielfiguren und Spielzeuge zu Filmen wie Star Wars, Star Trek und anderen Klassikern werden von ihm begeistert und hemmungslos mit offen zur Schau gestellter Wollust begehrt.
Auch andere Spieltypen seien es Brett- oder Kartenspiele werden von Geeks mit großer Begeisterung gespielt. Ein Wesenszug der gleichzeitig Gegenbeweis für die häufig fälschlicherweise unterstellte Tendenz zur Selbstisolation ist.
Geeks sind hochsozial, wenn ihre Verhaltensweisen auch häufig ganz bewusst nicht altersgemäß sind. Sie suchen die Nähe anderen Geeks, sei es im Web oder bei realen Gelegenheiten wie Spielabenden oder Conventions.
Nerds handeln üblicherweise hochrational und wissenschaftlich und versuchen sich durch diese Perspektive auf einer Metaebene oberhalb der eigenen Emotionalität zu positionieren. Das gelingt ihnen nicht immer, denn ihre zur Schau gestellte Kindlichkeit, wenn es um ihr Fachgebiet geht, ist nicht immer nur Maskerade.
Wichtig für Nerds und Geeks ist ihre dramatisch in Szene gesetzte Empörung darüber, wenn jemand kein Interesse oder sogar eine Abneigung gegen die von ihnen favorisierten Themenkomplexe zeigt. Grundsätzlich ist der Nerd aufgrund seiner wissenschaftszentrierten Denkweise eher Kosmopolit, seine Akzeptanz für andere Lebensweisen und Lebensregeln endet allerdings, wenn es um bedeutungslose Banalitäten oder sinnlose Rituale geht, die seinen eigenen Prinzipien widersprechen.
Typisch sind außerdem Hobbies – wobei Geeks und Nerds den Begriff Hobby als abwertend empfinden - , die thematisch im wissenschaftlich-technischen Bereich liegen und zu deren Durchführung teilweise erhebliches Fachwissen benötigt wird. Darunter fallen der Selbstbau von Hardware elektronischer oder mechanischer Art, Fotografie, Astronomie, Filmemachen, Computerprogrammierung. Genetische Manipulationen entwickeln sich zu einem neuen Betätigungsfeld unter Geeks und es ist mindestens ein Fall bekannt, in dem ein Nerd versucht hat, selbst einen Kernreaktor zu bauen. Achtung: Das ist strafbar!
Viele Geeks und Nerds teilen eine fast militante Abneigung gegen Sport. Zu einen da sie keinen Sinn in Betätigungen dieser Art erkennen wollen, zum anderen weil sie verärgert sind über die Überbewertung sportlicher Fähigkeiten durch die Gesellschaft. Ein Charakterzug, der sicherlich ein weiterer Beweis für ihre überdurchschnittliche Intelligenz ist. (Hüstel, das musste jetzt sein.)
Ich teile Peggs Ansicht:
Geek sein befreit.
Das liegt aber vor allem am veränderten gesellschaftlichen Standing der brainigen Computerfreaks. Letztendlich geht es aber nur um eines: Nichts ist so großartig, wie zu den eigenen Vorlieben stehen zu dürfen, die eigene Lebensweise zu zelebrieren. Es gelingt einem nicht immer, aber wenn, dann ist damit jede Menge Spaß verbunden.
Ich diagnostiziere mich anhand der obigen Kriterien selbst als Geek oder auch als Nerd und das stets mit Wonne.
Mein Geek/Nerd-Typus: Computerfixierter Physiker mit Vorliebe für virtuelle Welten, Filme, Science Fiction, das Bloggen und das Schreiben über Nerdthemen, mit Hang zur Fotografie, zum Filmemachen und zum Sterne kucken.
Ja, ich steh drauf!
Ich denke, es macht vor allen Dingen frei, sich von der Vorstellung freizumachen, was andere über einen denken. Das gilt für Geeks und Nerds genauso wie für Strick- und Bastelfans.
AntwortenLöschenseltsam, was man so alles findet..
AntwortenLöschender Geek/Nerd hat während seiner schulischen Laufbahn und Pubertät aber 2 massive Probleme:
a) er ist - die Schulform spielt dabei KEINE Rolle - ein klassisches Opfer
b) die Frauenwelt bleibt ihm im Wesentlichen verschlossen
Problem b) löst er recht einfach:
in seinen Games (online oder offline) bastelt und spielt er vorwiegend Frauenchars, seine Beziehungkisten heissen alle mit Nachnamen .jpg (uralter joke, aber immer noch gut ^^)und die einzige Realfrau in dieser Zeit ist - wen wunderts - Mutti... (er ist normalerweise Einzelkind; damit fallen auch "Schwester und ihre Freundinnen" aus)-
Problem a) löst er, in dem er Schutz findet, nämlich UNS:
ein Sammelsurium von Nachwuchspsychopathen, Hobbydealern, Metalern,OI-Skins und Polit-Spinnern - verbunden durch eine aufrichtige, tiefsitzende Abneigung gegenüber dem MAINSTREAM, die - situationsbedingt - auch mal schnell in Verachtung und Hass umschlagen konnte -
Joa, das alles ist bei uns jetzt auch wieder 15 Jahre her und ich zähl tatsächlich 2-3 Nerds reinsten Wassers nach wie vor zu meinen Freunden; es ist ne seltsame, fast symbiotische Beziehung, sag ich mal...^^
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AntwortenLöschenAuf der nächsten Evolutionsstufe ist es immer ein bisschen einsam. Und du hast vergessen, dass seine frühere Unsicherheit eventuell in fast grenzenlose Selbstherrlichkeit umschlägt :-).
AntwortenLöschenIm Übrigen sind Nerds die besten Freunde, die man sich wünschen kann.